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Interpretation

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Die Interpretation besteht aus drei Teilen: der ,  der  und der Untersuchung zur des Textes. Durch Anklicken der entsprechenden Symbole links im Inhaltsverzeichnis kommst du direkt dort hin. Zum Schluss bekommst du einen Vorschlag für den Aufbau der gesamten Arbeit. Wenn du schon einmal schauen willst, wie's nachher aussehen soll, klicke hier: Klick!

Die Inhaltsangabe ist recht knapp zu halten. Manche Lehrerinnen oder Lehrer lassen auch zu, dass du die Inhaltsangabe in die Textanalyse einbaust. Immer wenn du zu einem bestimmten Textstück etwas Analysierendes sagst, gibst du den zugehörigen Inhalt knapp wieder. Aber das ist etwas für Könner. Die Untersuchung zur Wirkung macht aus der Analyse dann eine Interpretation.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur Inhaltsangabe

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Über die Länge streiten sich die Gelehrten. Manche Lehrerinnen oder Lehrer verlangen eine ganz knappe Inhaltsangabe, andere erwarten eine ausführlichen Text. Du bist gut beraten, wenn du die Textstellen inhaltlich wiedergibst, zu denen du später in der Analyse etwas sagen willst. Das heißt dann aber, das du deine Inhaltsangabe nach dem Schreiben der Analyse erneut durcharbeiten und ergänzen musst. Hier ist also Zeitplanung angesagt!!!

Die Inhaltsangabe wird in der Gegenwartsstufe geschrieben, d. h. im Präsens und Perfekt.

Vermeide die wörtliche Rede. Zur Not verwende die indirekte Rede. Wann du dabei den Konjunktiv I verwenden musst, ist nicht genau festgelegt. Wenn du Formulierungen wie „Meier sagt, dass ...“ verwendest, kannst du in der Regel auf den Konjunktiv verzichten.

In der Inhaltsangabe solltest du weitgehend die Zeitstruktur de Textes vereinfachen. Du musst also vor allem die Rückblenden in den „normalen“ Zeitablauf eingliedern. Die ist vor allem bei Kurzgeschichten wichtig.

Die Inhaltsangabe beginnt mit einem formelhaften Einleitungssatz: „In seiner (hier muss die Textsorte genannt werden) (Titel des Textes) stellt der Autor (Name des Autors) dar, wie....“ Anstelle der drei Punkte musst du nun den Inhalt des Textes knapp in einem (Glied)satz zusammenfassen. Das ist oft nicht so einfach. Es gelingt dir sicherlich besser, wenn du diesen Satz erst dann formulierst, wenn du die Arbeit fertig geschrieben hast.

 

Textbeispiel:

Die Probe (Herbert Malecha)

Daraus wird z. B. folgende Inhaltsangabe:

                

Redluff sah, das schrille Quietschen der Bremsen noch in den Ohren, wie sich das Gesicht des Fahrers ärgerlich verzog. Mit zwei taumeligen Schritten war er wieder auf dem Gehweg. ,,Hat es Ihnen was gemacht?“ Er fühlte sich am Ellbogen angefasst. Mit einer fast brüsken Bewegung machte er sich frei. „Nein, nein, schon gut. Danke“, sagte er noch, beinah schon über die Schulter, als er merkte, dass ihm der Alte nachstarrte.

In seiner Kurzgeschichte „Die Probe“ stellt Herbert Malecha dar, wie ein von der Polizei Gesuchter auf der Flucht mehrere Male in Gefahr gerät erkannt zu werden und sich beim letzten Mal dann auch selbst verrät.

Einleitungssatz (zurück)

Eine Welle von Schwäche stieg von seinen Knien auf wurde fast zur Übelkeit. Das hätte ihm gerade gefehlt, angefahren auf der Straße liegen, eine gaffende Menge und dann die Polizei. Er durfte jetzt nicht schwach werden, nur weiterlaufen, unauffällig weiterlaufen zwischen den vielen auf der hellen Straße. Langsam ließ das Klopfen im Halse nach. Seit drei Monaten war er zum erstenmal wieder in der Stadt, zum erstenmal wieder unter so viel Menschen. Ewig konnte er in dem Loch sich ja nicht verkriechen, er musste einmal wieder raus, wieder Kontakt aufnehmen mit dem Leben, überhaupt raus aus allem. In diesem Abschnitt kehrt sich die zeitliche Reihenfolge um. Zunächst erzählt der Autor von der Jetzt zeit des Protagonisten, anschließend - in einer Rückblende - was vorher geschah.  Der Protagonist der Geschichte, Jens Redluff, hat sich nach drei Monaten wieder aus seinem Versteck getraut. Er hat sich eine falschen Pass besorgt und erprobt diesen nun. 

Zeitablauf „normal“ (zurück)

Perfekt  (zurück)

Präsens  (zurück)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur Textanalyse

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Die Textanalyse bildet den Hauptteil deiner Arbeit. Sie setzt sich aus den nachfolgenden Untersuchungspunkten zusammen. Du solltest sie auf keine Fall stur nacheinander abarbeiten!!! Mische geschickt! Wenn es zu einem oder mehreren Punkten nichts Wichtiges zu sagen gibt – lasse sie weg!

 

Musst du ein Gedicht interpretieren, solltest du dich zunächst über  (links!) in die Struktur von Gedichten einarbeiten. Dann kannst du gewiss auch die folgenden Punkte sinnvoll anwenden.

 

ü                    Zur Hypothese

Viele Lehrkräfte verlangen diesen Punkt nicht gesondert. Dann lies unter dem Kasten weiter oder springe gleich zu Punkt Person. Dann ist aber auch die Korrektur der Hypothese überflüssig!

Die Hypothese soll die Aussageabsicht des Textes zusammenfassen. Sie ist sozusagen die Interpretation des Textes in einem Satz. Du darfst diesen Satz aber nicht mit dem Einleitungssatz der Inhaltsangabe verwechseln. Dieser fasst den Inhalt zusammen, jener fasst die Interpretation zusammen. Beispiele zum Textbeispiel:

Einleitungssatz:     In seiner Kurzgeschichte „Die Probe“ stellt Herbert Malecha dar, wie ein von der Polizei Gesuchter auf der Flucht mehrere Male in Gefahr gerät erkannt zu werden und sich beim letzten Mal dann auch selbst verrät.

Hypothesensatz:    Die Kurzgeschichte zeigt, dass man gerade dann, wenn man meint, einer Gefahr entronnen zu sein, besonders gefährdet ist. 

 

Genauso wie sich der Einleitungssatz am besten zum Schluss schreibt, ist es auch mit der Hypothese. Nun brauchst du aber, um eine Analyse schreiben zu können, diese Hypothese. Als schreibst du zunächst eine „Rohfassung“, untersuchst dann, ob diese Hypothese stimmig ist – das ist dann die Analyse – und überarbeitest dann deine Hypothese. Dazu aber später mehr unter Punkt Korrektur der Hypothese.

 

 

 

 

 

 

Analyse heißt: zergliedern, zerteilen, zerlegen. Du musst also den Text auseinandernehmen. Das gelingt dir am besten, wenn du die folgenden Punkte genauer untersuchst:

Personen, Konflikte, Ort, Zeit und Zeitstruktur, Spannungsverlauf mit Höhe- und Wendepunkt , Anfang und Schluss, Überschrift, Kernwörter oder Kernsätze, Erzählperspektive, Aufbau, Textart, Sprache und Sprachstil, Autor.

Stell dir vor, der Text ist ein dreidimensionaler knubbeliger Gegenstand. Auf den einzelnen Knubbeln und Einhöhlungen steht die obengenannten Begriffe. Drehst du den Gegenstand, kommen die einzelnen Begriffe ins Blickfeld. Du wechselst also durch Drehen des Gegenstandes die Perspektive. Dieser Ausdruck ist hier wichtig. Wir können also sagen: Wenn man die verschiedenen Punkte am Text untersucht, schaut man aus verschiedenen Perspektiven auf den Text.

 

Nun zu den einzelnen Punkten: Ich schreibe dir dazu jeweils einfach eine Fülle von Fragen und Aufgaben auf.

 

ü                Personen

ü                Konflikte

ü                 Ort

§       Stelle eine Reihenfolge der Orte, an denen die Personen handeln, auf.

§        Sind diese Ort eher fiktiv oder real, sind sie vage oder genau beschrieben?

ü                Zeit und Zeitstruktur

o                   Spannung,

o                   Einblicke in die Entwicklung der Protagonisten,

§        Erzählt die Autorin entlang eines Zeitablauf oder gibt es

§        Rückblenden?

§        Und Vorausschau?

§        Zeitsprünge?

§        Welche Zeitspanne durchleben die Protagonisten innerhalb des Textes? Diese Zeitspanne nennt man „erzählte Zeit“!

§        Wie lange brauchst du zum Lesen? Diese Zeitdauer nennt man „Erzählzeit“. Mach die Probe bei einzelnen Textabschnitten und vergleiche mit der erzählten Zeit dieses Abschnitts. Je ähnlicher Erzähl- und erzählte Zeit, umso spannender ist diese Textstelle. Aus diesen Untersuchungen ergibt sich der

ü                Spannungsverlauf mit Höhe- und Wendepunkt

Hier unterscheiden sich vor allem traditionelle und moderne Erzählungen. Aber auch Dialogtexte (Drama!) bauen Spannung auf. In Gedichten wirst du hin gegen nur bei Balladen Spannung finden.

§        Fällt die Geschichte „mit der Tür ins Haus“? Dann hast du einen sogenannten „Offenen Anfang“. Oder beginnt die Geschichte mit einer Einleitung, die Personen, Ort und Zeit vorstellt, ohne eigentliche Handlung?

§        Steigt die Spannung stetig an oder gibt es „Zwischenhochs“ (vor allem bei längeren Erzählungen)?

§        Gibt es einen Wendepunkt, also eine Wendung des Geschehens zum Guten oder Schlechten?

§        Bleibt der Schluss „offen“, so dass ein Rest Spannung bleibt? (vergl. Analysepunkte „Konflikt“ und „Schluss“)

ü               Überschrift

§        Ist die Überschrift offensichtlich oder spielt sie Versteck mit dem Leser?

o          Ist die Überschrift metaphorisch gemeint? 

o          Manchmal enthält sie ein Motiv.

§       Trifft sie den Kern des Textes oder eher einen einzelnen Aspekt?

§        Animiert sie zum Lesen oder ist sie eher nichts sagend?

ü                Schluss  

§        Ist der Schluss offen oder geschlossen? 

o       Wird das Problem, dem sich die Hauptperson gegenüber sieht, gelöst? Dann nennt man die Darstellung „geschlossen“. Das „Happy End“ bildet sozusagen den idealen geschlossenen Schluss.

o Oder bleibt das Problem bestehen? Dann ist die Darstellung „offen“. Man sagt auch: „Der Schluss ist offen“. Warum löst der Autor das Problem nicht? Soll dies ein Überraschungseffekt sein? Oder fühlst du dich motiviert, die Lösung selbst zu suchen? Oder gibt es keine Lösung?

o  Wichtig: Bei KGS’ ist der äußere Konflikt (siehe auch Analysepunkt „Konflikt“) oft gelöst, d. h. die Erzählung scheint geschlossen. Der innere Konflikt ist aber nicht gelöst. Also ist der Schluss „offen“. Hier musst du sehr genau arbeiten, denn die KGS will ja die inneren Konflikte der Protagonisten zeigen. Die äußeren Konflikte sind Hilfsmittel, die inneren Konflikte zu verdeutlichen.

§        Gibt es eine ausformulierte Moral, oft z. B. bei Fabeln?

§        Gibt es eine Pointe, d. h. ein überraschende Wendung ganz zu Schluss? Pointen treten recht häufig bei Kurzgeschichten auf. Die Pointe macht den Witz erst zum Witz oder: ohne Pointe kein Witz!

ü                Kernwörter oder Kernsätze

ü                Erzähl-Perspektive

Dies ist ein ganz großes Gebiet bei Erzählungen. Aber auch bei lyrischen Texten kann man von einer Perspektive, dann natürlich nicht von einer Erzähl-Perspektive, reden. Gerade bei den Erzählungen ist die Perspektive und der Wechsel der Perspektive in der modernen Literatur recht komplex geworden. Wir können grob 4 Erzähl-Perspektiven beschreiben:

§        Ich-Erzählung: Scheinbar erzählt eine der Hauptpersonen selbst. So kann diese Person recht zwanglos von ihren Wahrnehmungen, Gefühlen und Gedanken berichten. Der Text enthält viele subjektive/persönliche Elemente.

§        Er-Erzählung: Natürlich auch Sie-Erzählung. Der Autor / die Autorin erzählt in der dritten Person. So kann er/sie eigentlich von den Gefühlen etc. der Hauptperson nichts wissen. Diese Texte sind eher objektiv/ berichtend.

§        Personales Erzählen: Der Autor kennt seine Protagonisten in- und auswendig. Wahrnehmungen, Gefühle und Gedanken der Personen werden dargestellt, der Autor (und damit der Leser) weiß aber über den Fortgang der Geschichte nicht mehr als die Protagonisten.

§        Auktoriales Erzählen: Der Autor weiß alles. Er weiß den gesamten Handlungsablauf im Voraus und bringt diese Kenntnis auch in den Text mit ein.

§        Man kann also die Erzählperspektive eines Textes und eventuellen Wechsel der Perspektive tabellarisch erfassen:

 

Ich-Erzählung

Er-/Sie-Erzählung

personales Erzählen

 

 

Auktoriales Erzählen

 

Hier eine Beispieltext.

 

Aber es kommt noch vielseitiger:

§        Welche Erzählhaltung hat der Text: sachlich, gefühlsbetont, satirisch, ironisch, belehrend, distanziert, komisch, heiter, mit viel Aktion, langatmig, zum Identifizieren geeignet, zur Kritik anregend?

§         Wird der Leser direkt angesprochen?

Charakterisierung  

§        Dieser Punkt wurde von mir nachträglich eingefügt, weil er bei der zentralen Abschlussprüfung eine wichtige Rolle spielt. Eine Charakterisierung fasst im Grunde genommen die wesentlichen Punkte, die wir bis jetzt angesprochen haben, zusammen. Dabei ist wichtig zu beachten, das mit "Charakter der Hauptfigur" nicht der Charakter eines realen Menschen gemeint ist, sondern der Charakter der literarischen Figur, die uns in diesem Text begegnet. Diese hat - gerade bei Kurzgeschichten! - immer nur einige Wesenszüge, welche in der Regel typisch menschlich sind, also ein typische Verhalten von Menschen darstellen.
"Typisch" heißt hier: Wesensmerkmale und Verhaltensweisen, die häufig bei Menschen anzutreffen sind und die diese Menschen in schwierige Situationen bringen können oder die moralisch verwerflich sind, denn "die Kurzgeschichte ist immer moralisch!"

§        Alle diese Punkte solltest du nicht streng der Reihenfolge abarbeiten, sondern geschickt mischen. Untersuche jeden Punkt zur vorliegenden Geschichte, schreibe aber nicht zu jedem Punkt etwas!

            > Beschreibe die Hauptfigur äußerlich: Geschlecht, Alter, Kleidung, Besonderheiten.
> Beschreibe die Beziehung zu den anderen Protagonisten.
> Stelle kurz die entscheidenden äußeren Handlungen der Hauptfigur dar.
> Soweit vorhanden: Stelle die erlebte Rede, den inneren Monolog, kurz gesagt: die Innenwelt der Hauptfigur dar.
> Sollte über die Innenwelt nichts oder zu wenig gesagt werden: Auf welche Gedanken und Gefühle der Hauptperson schließt du aufgrund der äußeren Handlung?
> Stelle dies für dich evtl. in einer Tabelle gegenüber. Die Tabelle gehört nicht in die Arbeit!
> Inwieweit stehen äußere Handlung und Innenwelt in Beziehung? Gibt es Widersprüche?
> Verändert sich die Hauptfigur? Wenn ja, wie?
> Scheitert die Hauptfigur? Wenn ja, woran?
> Lernt die Hauptfigur etwas innerhalb der Geschichte? Bei KGS meistens am Ende!
> Welche "typisch menschlichen" Wesenszüge weist die Geschichte durch die Hauptperson hin?
> Kann man diese Wesenszüge in einen Sprichwort fassen?

ü                Aufbau  

§        Grobe Einteilung des Textes: Einleitung Hauptteil Schluss bei der Erzählung (Höhe-/Wendepunkt), Strophen bei Gedichten. 

§        Offener Anfang, offener Schluss?

§        Suche Erzählschritte, indem du Abschnitte zusammenfasst und Überschriften (er)findest.

§        Absatzgliederung: Vom Inhalt her bestimmt, als Lesehilfe oder eher wahl- und sinnlos? Lange/kurze Absätze?

§        Strophengliederung: Fügt sich der Inhalt der Strophenteilung?

§        Montagetechnik?

ü                Textsort

Zu diesem Punkt solltest du auf jeden Fall den blauen Knopf „Textsorten“ anklicken und dich dort schlau machen!

§        Erzählungen: Roman, Novelle, Kurzgeschichte, Anekdote, Fabel, Märchen, Witz sind Erzählungsformen, die besondere Merkmale haben. Kannst du keine eindeutige Zuordnung wagen, sprich einfach von „Erzählung“.

§        Gedichte: Ballade, erzählendes oder lyrisches Gedicht, Gefühlslyrik, Naturlyrik, traditionelles oder modernes Gedicht, Lied, Sonett sind einige Begriffe, die bei der Gedichtsanalyse gebraucht werden.

ü                Sprache und Sprachstil 

Auch dies ein wichtiges und komplexes Thema der Analyse. In Erzählungen findest du heute vorwiegend Alltagssprache, die auch Umgangssprache genannt wird. In Gedichten auch heute noch oft eine gehobene Sprache, die sich in Wortwahl und Satzbau von der Alltagssprache unterscheidet. Diese Sprache wird oft als veraltet empfunden. Man muss aber beachten, dass sich beim traditionellen Gedicht auch durch das Vermaß manchmal ein ungewohnter Satzbau und durch den Reim eine ungewohnte Wortwahl ergibt. Das ist dann nicht gleich gehobene Sprache, sondern manchmal auch mangelnde Fähigkeit des Autors!

§         Wortwahl:

o  Niveau: Umgangssprache, Gassensprache, Fäkalsprache, Dialekt, Idiom, Gruppensprache, Kindersprache, Slang. Welche Absicht verfolgt der Autor mit der Wahl der Sprache?

o  Nominalisierungen (Verb/Adjektiv zu Nomen gemacht).

o  Adjektivischer Stil, d. h. (zu) viele Adjektive, mehrere hinter einander. Wirkt schwülstig/kitschig, wird auch „blumiger Stil“ genannt.

o  Pronomen an Stelle von Nomen, die Aussagen des Textes werden dadurch vage.

o  Wortwiederholungen? Dies könnte auf ein Symbol oder Motiv hindeuten.

§       Satzbau

o  Satzreihen oder Satzgefüge vorherrschend?

o  Schachtelsätze?

o  Ellipsen?

Ungewöhnliche Satzglied-Reihenfolge? Beim Gedicht kann diese aber durch den Zwang des Versmaßes entstehen.

§        Sprachhaltung: Ein ganz wesentlicher Aspekt der Sprache ist die sprachliche Haltung des Autor. Meint er genau das, was die Wörter sagen, oder spricht er bildhaft? Dann hast du es mit dem weitern Feld der „So-wie-Sprache“ zu tun. Wichtige sprachliche Mittel sind Vergleich, Metapher, Bild, Ironie, Über- und Untertreibung.

§        Der Sprachstil wird auch geprägt durch den Rhythmus des Darstellungstempos: ruhig, hektisch, zielstrebig, bewegt,...

ü                Autor  

Dieser Punkt spielt selten eine größere Rolle. Lediglich, wenn du weißt, dass der Autor zu besonderen Zeiten gelebt hat und dies im Text nachweisbar ist oder zumindest den Text inhaltlich beeinflusst hat, solltest du hierzu in deiner Arbeit etwas sagen. Ansonsten genügt sicherlich eine ungefähre Einschätzung der Epoche, in der die Autorin gelebt hat.

ü      Zur Korrektur der Hypothese

Diesen Punkt nur bearbeiten, wenn du am Anfang der Textanalyse eine Hypothese formuliert hast. Sonst weiter mit

Wirkung des Textes.

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Jetzt ist es an der Zeit, deine Rohfassung der Hypothese durchzuformulieren. Achte aber darauf, dass du sie inhaltlich nicht veränderst, also die Verständnisfehler nicht beseitigst. Es ist überhaupt nicht schlimm, sondern spricht eher für die Qualität deiner Arbeit.

Sollte die Textanalyse die obenstehende Hypothese nicht bewiesen haben, so muss sie an dieser Stelle korrigiert werden. In der Regel wird dies nur in Teilaspekten nötig sein. Du hast z . B. manche Aussagen des Autors zunächst wörtlich genommen, hast aber nun gemerkt, dass sie ironisch gemeint waren.

Viele der Untersuchungsergebnisse deiner Analyse sind auch nicht unbedingt direkte (Unter)-Thesen zur Hypothese. Auch diese spielen hier also keine Rolle.

 

Hier findest du eine kurze Zusammenfassung in Listenform, wie du bei der Interpretation einer Kurzgeschichte vorgehen kannst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu den Wirkungen

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Achte darauf, dass Du im Folgenden in den ersten beiden Punkten Vermutungen äußerst. Sei also vorsichtig und versuche so genau wie möglich, Deine Meinung aus dem Text heraus zu beweisen.

Wirkungsabsicht des Autors

Hier geht es natürlich nur um Deine Vermutung!

§        An wen soll sich der Text wenden?

§        Hat der Text eine Tendenz, fordert er zu etwas auf?

o             Dies hängt eng mit der Frage nach der Moral zusammen. Bei Texten, die eine Moral – meist am Ende – aussprechen, ist das ja ganz einfach. Aber bei den meisten Texten musst du nach dieser Moral suchen, sie dir selbst erarbeiten. Deshalb z.B. bei Kurzgeschichten der offene Schluss. Im Grunde hat jede Dichtung eine Tendenz und damit auch eine Moral. Allerdings lassen viele Autoren/Autorinnen dem Leser / der Leserin die Freiheit, diese Tendenz/Moral zu entdecken und sie auch zu befolgen. Dazu die beiden Extreme:

          In der sogenannten Tendenzdichtung wirkt diese aber stärker und ist oft recht dick aufgetragen. Man hat das Gefühl, der Autor will den Leser direkt zwingen, seine Meinung zu übernehmen und auch danach zu handeln. Diese Art Texte finden sich vor allem in der Propaganda diktatorischer Staaten. Manchmal taucht so etwas wie ein Glaubensbekenntnis zu einer ganz bestimmten Weltanschauung auf, so z.B. zum Kommunismus oder zum Faschismus.

          Das Gegenteil, könnte man sagen, ist die sogenannte Unterhaltungsliteratur. Sie will den Leser gar nicht beeinflussen. Sie will nichts weiter, als dem Leser ein paar schöne Stunden zu bescheren. Das ist auch ein legitimer Schreibanlass!! Das Fernsehen und auch manches Stadttheater sind voll davon. Sicherlich gehören auch viele Gedichte, die man zur Natur- und/oder Gefühlslyrik rechnet, hierher.
Trotzdem hat auch eine solche Literatur eine Tendenz. Nur: Sie wird dem Autor oder der Autorin nicht bewusst – zumindest behaupten sie das.
Hierher gehören auch im Extrem die Begriffe Kitsch- und Schundliteratur, diese wollen wir aber hier nicht behandeln. Das wäre ein eigenes Kapitel. Nur zwei Beispiele für besonders Neugierige: Wie sieht es z.B. mit der „Schwarzwaldklinik“ aus? Die Autoren behaupten, sie wollten nur unterhalten. Wird dem Zuschauer/Leser nicht aber doch ein bestimmtes Weltbild vermittelt, nämlich eine sogenannte „heile Welt“, die es eben in der Realität nicht gibt? Ist das nicht auch eine Tendenz? Und wie sieht es mit Pornografie aus?

§       Ist der Text realistisch oder idealistisch? Dies ist ein schwieriges Kapitel. Über diese beiden Begriffe sind ganze Philosophien geschrieben worden. Aber wir machen es einfacher.

o             Stellt der Autor die Welt dar, wie sie ist? = realistisch. (Siehe dazu auch den Fachbegriff „real“ unten.)

o             Stellt der Autor die Welt dar, wie sie sein sollte? = idealistisch.

§        Die idealistische Literatur ist oft moralisch gemeint, d.h. sie will durch die Darstellung idealer Zustände den Leser erbauen, ihn auffordern diesen Idealen nachzustreben. Er soll dem „Guten, Schönen, und Wahren“ nachstreben. Die Klassik in der Literatur (Lessing, Schiller, Goethe) folgte diesen idealen Zielen. Aber natürlich gibt es auch heute noch Schriftsteller, die idealistische Texte verfassen. Lyrik scheint mir allemal eine Tendenz zum Ideal zu haben.

§        Die realistische Literatur hingegen will alles so darstellen, wie es ist. Das ist manchmal recht brutal (Nachkriegsliteratur). Aber auch die Science-Fiction und die Fantasy-Literatur geben sich den Anstrich, realistisch zu sein. Sind sie auch, denn sie stellen ja keine Ideale dar, sondern versuchen, andere „Alternativ-Welten - eben realistisch - darzustellen. In Deutschland wurde die Literaturepoche ab 1850 etwa als Realismus bezeichnet. Ab 1880 bis 1900 dann als Naturalismus, eine Einengung des Realismus.
In den Kommunistischen Ländern (~ bis 1990) lehnte man alle späteren Entwicklungen ab und forderte eine strengen Realismus in der Dichtung. Allerdings kommen uns die Werke aus diesen Ländern reichlich idealistisch vor, stellen sie doch selten die (kommunistische) Wirklichkeit dar, sondern fast immer, wie sie von den Herrschenden gewollt war, also idealistisch. Na, so geht das halt mit den Begriff in diktatorischen/totalitären Staaten: der Staat/die Herrschenden bestimmen, was ein Wort zu bedeuten hat. Ebenso im Faschismus, wobei in Deutschland unter Hitler die Literatur idealistisch zu sein hatte: Dem Volk sollte gezeigt werden, wie es zu leben hatte. Na toll.

Puh, das ist ja doch ganz schön viel geworden. Am besten, du richtest dich bei deinen Überlegungen zur Frage „realistisch oder idealistisch“ zunächst einfach nach den letzten beiden Punkten mit dem  § davor.

 

Wirkung auf den Leser

Auch hier geht es natürlich nur um Deine Vermutung!

§        An wen wendet sich der Text? Welcher Leser(typ) ist angesprochen?

§        Ist der Text übertragbar auf heutige Verhältnisse?

§        Lässt sich der dargestellte Einzelfall verallgemeinern?

§        Führt der Text den Leser zum identifizierenden oder zum kritischen Lesen?

 

Wirkung auf dich als Leser

Hat der Text eine Bedeutung für Dich? Nicht verwechseln mit Meinung zum Text oder mit Meinung zur "Moral"! Hier geht es vor allem darum, Stimmungen, in die Dich der Text versetzt, Vorstellungen, die bei Dir entstehen, neue Erkenntnisse (vielleicht auch unbequeme), die Du gewinnst, zu beschreiben. Übertreibe aber nicht und versuche, so ehrlich wie möglich zu sein. Nichts ist schlimmer, als wenn Du versuchst, dem Leser deiner Arbeit (Lehrer/Lehrerin) zu gefallen.

Passt Deine Interpretation in das Lebensbild des Autors, soweit Du etwas über den Autor weißt?

Hier darfst du auch den Text in seine Qualität bewerten.

Wo stimmen

§        die Wirkung auf Dich,

§        die (vermuteten) Wirkungen auf den Leser und

§        die (vermutete) Wirkungsabsicht des Autors überein, wo nicht?

 

 

Eine knappe Zusammenfassung,wie du einen Text "angehen" kannst, findest du (hier)

Vorschlag für den Aufbau einer Arbeit    (zurück zum Anfang)

Zum Schluss möchte ich dir noch einen Vorschlag für die Reihenfolge der einzelnen Punkte machen. Dies ist wirklich nur ein Vorschlag, der sicherlich auch nicht zu jedem Text passt. Aber wir haben ihn an mehreren „typischen“ Texten erprobt und für sinnvoll gefunden.

§        Inhaltsangabe

§        Erzählperspektive

§        Personen

§        Aufbau der Erzählung, Gliederung, Spannungskurve, Höhe- und Wendepunkt

§        Ort und Zeit des Geschehens

§        Beziehung Anfang – Schluss

§        Sprachstil, sprachliche Gestaltung, Sprachebene, Bilder/Metaphern

§        Titel in Bezug zum Text

§        Textsorte, z. B. Merkmale der KGS (Offenheit, innerer/äußerer Konflikt, wenige Personen, kurz, eine – entscheidende – Episode im Leben des/der Protagonisten)

§        Wirkung/Bewertung des Textes

 

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So, liebe Leserin, lieber Leser, nun bleibt dir – nur noch – die schwierige Aufgabe, eine Interpretation zu schreiben. Ich wünsche dir viel Erfolg und eine gute Note für deine Mühe.

 

Wenn du Fragen hast oder mir Kritik (oder Lob?) zukommen lassen willst, hier meine E-Mail-Adresse: 

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